Die Macht des Einfachen

Jack Trout und Steve Rivkin

Verlag Ueberreuter; 1999

248 Seiten

Euro 32,90

 

 

 

Ist wirklich alles so komplex geworden, wie es immer dargestellt wird oder verbirgt sich hinter „Komplexität“ nicht selten eine geniale Verkaufsstrategie, die mit unseren Ängsten vortrefflich zu spielen versteht? Eines steht fest: Zu keiner Zeit war es von Vorteil, als „einfach“ bezeichnet zu werden. Schließlich wird „einfach sein“ zumeist gleichgesetzt mit „einfältig sein“. Was derart negativ besetzt ist, wird natürlich tunlichst vermieden.

Viele Unternehmensberater - so meinen zumindest Jack Trout und Steve Rivkin in ihrem empfehlenswerten Buch - haben diesen Aspekt geradezu zu ihrem Credo erhoben und operieren nach einem simplen Muster: Sie picken einen allseits bekannten Teilaspekt guter Unternehmensführung heraus, versehen ihn mit einem neuen, unverständlichen Namen, blasen ihn als DIE Lösung schlechthin auf, verpacken das ganze noch in hoch komplizierte Graphiken und beeindruckende Folienschlachten und suggerieren den Unternehmen, sie würden die nächsten Jahre wohl nicht überleben, wenn sie nicht genau diesen einen Aspekt in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen. In Beratersprache ausgedrückt: „Herkömmliche Unternehmensaxiome sind nicht länger anwendbar!“ Was auch immer das heißen mag.

Die im Buch zitierte Psychologin Dr. Carol Moog weist auf eine weitere Konsequenz der allerorts grassierenden „Komplexitätszunahme“ hin, wenn sie von der „paranoiden Angst vor Auslassung“ redet. Damit meint sie das - gerade im Management weitverbreitete - Gefühl, ja alle Optionen bedenken zu müssen, da man andernfalls jeden Moment angegriffen werden könne. Man darf nichts übersehen, weil – so die Befürchtung - dies das Ende der Karriere bedeuten könnte. Also sammelt man wie wild alle verfügbaren Informationen, in denen man bald darauf untergeht und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Entscheidungen verzögern sich, man fühlt sich wie gelähmt und hat ständig die Panik, vielleicht irgend etwas wichtiges übersehen zu haben. Kommt man dennoch zu Entscheidungen, Vorschlägen oder Empfehlungen, dann erweisen sich diese als so kompliziert, daß sie erstens nicht verstanden werden und zweitens spätestens in der Umsetzung scheitern. Der passende Autoren-Tip zur Beraterauswahl lautet denn auch: Vertrauen Sie keinem, den Sie nicht verstehen!

Fazit: Sehr lesenswert für alle, die in ihrem Unternehmen endlich etwas vereinfachen wollen, statt es weiter zu verkomplizieren.

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