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Das Muster ist alt, aber gut: Man nimmt die Gegenposition ein, stellt provokante Thesen auf, überspitzt und polemisiert, greift den eigenen Berufsstand an und wird daraufhin mit Sicherheit als "Nestbeschmutzer" heftig attackiert, was weitere Aufmerksamkeit auf das Buch lenkt. Fertig ist der Bestseller! Richard Gris, so das Pseudonym des Autors, hat sich brav an dieses Muster gehalten und damit gute Chancen, zum neuen Feindbild der Weiterbildungsszene zu werden. Natürlich will die zentrale These des Buches "betriebliche Weiterbildung bringt nichts" oder auch der Untertitel "Warum Seminare und Trainings Kapital vernichten und Karrieren knicken" Trainer und Erwachsenenbildner, aber auch Personalentwickler provozieren. Gut provozieren kann man aber nur dann, wenn die Kritik einen wahren Kern enthält. Und dafür gibt es zumindest einige gute Gründe. Etwa die hartnäckige Idee einer "Persönlichkeitsveränderung in wenigen Tagen": Über die Jahre und Jahrzehnte geformte Persönlichkeitsmerkmale, Denkweisen und Einstellungen lassen sich nicht in wenigen Tagen "wegtrainieren". Persönlichkeitsentwicklung ist "Millimeterarbeit", sie ist beschwerlich, dauert lange, bedarf hoher Eigenmotiviation und selbst dann ist der Erfolg höchst ungewiss. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu, trotzdem ist der Alltag betrieblicher Weiterbildung immer noch von der Idee geprägt, Menschen "passend zu machen" – mit entsprechend mickrigen Ergebnissen. Damit Weiterbildung wirklich Nutzen stiftet, bedarf es einiger Voraussetzungen. Doch wer fordert sie ein? Sind Personalentwickler nur Dienstleister, die auszuführen haben, wozu sie beauftragt werden, auch wenn sie das Ganze für eine Schnapsidee halten? Oder sind sie Experten, die wissen, was funktioniert und was nicht und daher auch deutlich Nein sagen, Aufträge ablehnen oder Bedingungen formulieren, ohne die ein Auftrag keinen Sinn macht? Fazit: Nichts weltbewegend Neues, aber es beschreibt auf provokante Art und Weise eine Vielzahl von Situationen, in denen der Nutzen von betrieblicher Weiterbildung tatsächlich zweifelhaft ist. Die Antwort – wie sonst – bleibt es schuldig, ein guter Diuskussionsanstoß ist es aber allemal. |
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