Vorstandsbezüge in Österreich

Ein AK-Vergleich listet die Top-Verdiener in der Alpenrepublik auf. ATX-Manager verdienen mittlerweile das 48-Fache ihrer Beschäftigten.

Die Top-Verdiener unter den Spitzenmanagern börsennotierter Unternehmen in Österreich sitzen in den Vorstandsetagen von OMV, Andritz, Erste Group, Raiffeisen International und Vienna Insurance Group. Dies ergibt ein AK-Vergleich der bis 23. April vorliegenden 16 Konzernabschlüsse für 2008. Im Schnitt verdienten die ATX-Manager im Vorjahr das 48-fache eines Beschäftigten ihres Unternehmens (2007 das 47-fache, 2006 das 45-fache). Und neben den Managern werden auch die Aktionäre trotz Wirtschaftskrise bestens bedient: Die Gewinn-Ausschüttungsquote ist von 28,2 auf 33,7 Prozent weiter gestiegen.

Beim Ölkonzern OMV ist die durchschnittliche Vorstands-Vergütung pro Kopf im Vorjahr gegenüber 2007 um 14,0 Prozent auf 3,557 Mio. Euro brutto angestiegen, darin sind pro Kopf Stock Options von 1,7 Mio. Euro enthalten. Bei Andritz sanken die Gagen im Schnitt um 9,7 Prozent auf 2,153 Mio. Euro, in der Erste Group Bank gingen sie um 15,0 Prozent auf 1,721 Mio. Euro zurück - jeweils samt ausgewiesenen Abfertigungsaufwendungen für ausgeschiedene Vorstände. Die RI-Vorstands-Vergütungen legten mit +56,4 Prozent um mehr als die Hälfte auf im Schnitt 1,550 Mio. Euro pro Kopf zu, davon entfielen 613.000 Euro auf Stock Options. Die Vorstände der Vienna Insurance Group verdienten 2008 mit 1,217 Mio. Euro brutto pro Kopf um 46,9 Prozent mehr als 2007.

Die höchste Steigerungsrate bei den Top-Manager-Gagen gab es im Vorjahr mit +126 Prozent auf im Schnitt 948.000 (419.000) pro Person bei den Austrian Airlines - trotz des Rekordverlusts von 430 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2008. Die Gesamtbezüge des AUA-Managements verdoppelten sich auf 2,8 (1,4) Mio. Euro. Grund war einerseits der kräftige Anstieg der variablen Entgeltbestandteile um mehr als das Vierfache auf 916.000 Euro. Den größten Anteil machen aber die fixen Bezüge samt Sachbezüge von über 1,8 Mio. Euro (+58 Prozent) aus, die auch Pensionskassenbeiträge und die Abfertigung für den ausgeschiedenen Vorstand Thomas Kleibl enthielten. Noch immer auf der Gehaltsliste der AUA fand sich Ex-Marketing-Vorstand Josef Burger, der 2008 noch 530.6000 Euro erhielt (davon 225.000 Euro erfolgsabhängig), obwohl er nur bis September 2007 im Vorstand saß.

Die jeweiligen individuellen Vorstandsbezüge gibt von den untersuchten Börse-Unternehmen nur die Hälfte an, kritisierte die Arbeiterkammer die nach wie vor mangelnde Transparenz. Vorbildlich seien hier neben Erste Group und OMV nur AUA, bwin, Flughafen Wien, Telekom Austria, Verbund und Wienerberger. Dies zeige, dass die Freiwilligkeit des erst Anfang 2009 novellierten Wohlverhaltenskodex (Corporate Governance Kodex), der eine Empfehlung zur Einzelveröffentlichung der Managergehälter beinhaltet, nicht ausreiche und sich als "zahnlos" erweise.

Keine Stock Options in Staatsunternehmen?

Angesichts der hohen - und im Vorjahr noch weiter gestiegenen - Managergehälter in ATX-Unternehmen spricht sich die AK gegen Vergütungen in Form von Stock Options für Vorstände von Unternehmen mit einer Beteiligung durch die öffentliche Hand aus und fordert Maßnahmen gegen "unangemessen hohe" Abfindungen. Prämien sollten sich an Kriterien wie Angemessenheit und Nachhaltigkeit orientieren, so AK-Präsident Herbert Tumpel. Derzeit würden Abfindungen in der Regel auch dann ausbezahlt, wenn befristete Managerverträge vorzeitig aufgelöst werden. Da Verfügungen in Form von Stock Options maßgeblich dazu beitragen, dass die Gehälter unverhältnismäßig explodiert seien - und dies oft in keinem Zusammenhang zur "Leistung" des Managements stehe - sollten solche Vorstandsvergütungen bei Unternehmen nicht mehr ausgegeben werden dürfen, an denen Bund, Land oder Gemeinde unmittelbar oder mittelbar mit mehr als 25 Prozent beteiligt sind. Die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern als Betriebsausgabe bei der KÖSt-Berechnung sollte auf 500.000 Euro begrenzt werden, so die AK weiter. Zudem sollte es bei einem Wechsel eines Vorstands in den Aufsichtsrat desselben Unternehmens eine so genannte "Cooling off Periode" von 2 Jahren geben.

Dividenden-Kaiser

Die Gewinn-Ausschüttungsquote jener ATX-Unternehmen, von denen bis 23. April bereits der Jahresabschluss 2008 vorlag, ist von 28,2 auf 33,7 Prozent weiter gestiegen; im Jahr davor waren noch 24,9 Prozent der Jahresüberschüsse an die Aktionäre gezahlt worden. Bei 14 ATX-Unternehmen mit positiven Jahresüberschüssen sind die Ausschüttungen binnen Jahresfrist nur um 2,0 Prozent auf 1,949 Mrd. Euro zurückgegangen, obwohl die Bezugsgröße - der IFRS-Jahresüberschuss in der Periode davor - um 18,1 Prozent auf 5,777 Mrd. Euro gesunken ist. An der Spitze der Top-5 liegt bei den Ausschüttungen an die Aktionäre für 2008 die Telekom Austria mit 331,8 Mio. Euro - trotz Verlust - gefolgt von 323,6 Mio. Euro beim Verbund, 299,8 Mio. Euro bei der OMV, 256,0 Mio. Euro bei der VIG und 206,1 Mio. Euro bei der Erste Group. Bis auf RHI und Wienerberger haben alle untersuchten Unternehmen Ausschüttungen bereits vorgenommen bzw. geplant, bei mehr als der Hälfte gab es steigende Ausschüttungsquoten. 

Beispiel Telekom: Während auf Basis des IFRS-Konzernabschluss bei der Telekom Austria ein Verlust von -48,8 Mio. Euro zu Buche steht, wurde auf Einzelabschluss-Basis ein Jahresüberschuss von 222,4 Mio. Euro erwirtschaftet. Da als Grundlage für die Gewinnverteilung entsprechend dem österreichischen Aktiengesetz der UGB Abschluss dient, mussten für die geplante Dividende in der Höhe von rd. 332 Mio. Euro, im Einzelabschluss Gewinnrücklagen von über 109 Mio. Euro aufgelöst werden. 

Beispiel Post: Die Österreichische Post wird laut Ankündigungen für den Jahresabschluss 2008 neben einer Basisdividende voraussichtlich wieder zusätzlich eine Bonusdividende auszahlen. Im März 2009 kündigten die Verantwortlichen der Post AG ebenfalls an, mehrere hundert Filialen zu schließen und Personal einzusparen. Im Vorjahr wurde ebenfalls bereits zu Lasten der Kapitalreserven eine Bonusdividende an die Aktionäre ausbezahlt. Das Periodenergebnis des Geschäftsjahres 2008 beträgt laut Konzernabschluss 118,9 Mio. Euro, Basis für die Gewinnverteilung ist allerdings entsprechend dem österreichischen Aktiengesetz der Jahresabschluss der Österreichischen Post AG zum 31.12.2008. Laut Geschäftsbericht wurden Kapitalrücklagen in der Höhe von 81,5 Mio. Euro aufgelöst, um den Plan, eine Dividende in der Höhe von rund 168,9 Mio. Euro auszuschütten, einzuhalten. In den letzten beiden Jahren wurden insgesamt 144 Mio. Euro und Kapitalrücklagen via Sonderdividende ausbezahlt.

In prekären wirtschaftlichen Zeiten seien hohe Ausschüttungen und überzogene Managergehälter nicht angebracht, kritisiert die AK. Vielmehr sollten gerade dann die Geldmittel als Krisenpolster im Unternehmen belassen bzw. Investitionen vorgenommen werden. Gerade für die Sicherung und den Erhalt von Arbeitsplätzen wäre angesichts der Wirtschaftskrise eine vermehrte Thesaurierung des erwirtschafteten Kapitals besonders wichtig. "Jene Unternehmen, die Staatshilfe (insbesondere Banken) in Anspruch nehmen bzw. beantragt haben, sollen ihre gesamten Gewinne einbehalten", will die Arbeiterkammer.

Quelle: APA

Ein Download der Studie mit allen Einzeldaten finden Sie unter:
http://www.arbeiterkammer.at/online/managergagen-steigen-weiter-47848.html