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1. Demografische EntwicklungDie Bevölkerungsstruktur in Österreich zeigt in den vergangenen Jahren deutliche Anzeichen der demografischen Alterung: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist stark gesunken, aber die Bevölkerung im Pensionsalter hat zahlen- und anteilsmäßig stark zugenommen. Dies wird auch am Durchschnittsalter der österreichischen Bevölkerung sichtbar: Lag dieser Wert zu Beginn der 1970er Jahre noch bei 36,1 Jahren, so liegt das Durchschnittsalter heute bei 40,9 Jahren. (Statistik Austria: Bevölkerungsstand 2008, 22) In Deutschland werden bereits 2020 laut Statistischem Bundesamt ungefähr 40 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Einerseits werden nicht genügend jüngere Nachwuchskräfte am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, andererseits, wird durch neue gesetzliche Regelungen wie die Erschwerung der Frühverrentung die Belegschaft länger im Unternehmen bleiben. 2. Einstellungen zur Generationenfrage in den UnternehmenLange Zeit wurde die Rekrutierung von Arbeitnehmern unter 40 als erstrebenswert angesehen, vor allem um "frischen Wind" ins Unternehmen zu holen. Unabhängig davon, wie sich diese Strategie bewährt hat und wie man sie bewerten mag, wird ihre Fortsetzung in Zukunft kaum mehr möglich sein, weil die Rekrutierung von High Potentials und Talented People immer teurer und auch immer weniger aussichtsreich sein wird. Damit stellt sich die Frage, was mit den älteren Beschäftigten geschehen soll, die in Zukunft länger in den Organisationen verbleiben werden. In vielen Unternehmen ist man grundsätzlich über den demografischen Wandel informiert, doch fehlt es häufig noch an einer realistischen Einschätzung, was diese Entwicklung für die eigene Organisation bedeutet. Auch die Planung bzw. Umsetzung geeigneter (Vorbereitungs-)Maßnahmen steckt noch in den Kinderschuhen. Viele Unternehmen bleiben in der Analysephase stecken und verdrängen das Thema. Es regelt sich jedoch nicht von allein. Falls weiterhin nichts geschieht, besteht die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit der Unternehmen sinkt und gleichzeitig ältere Arbeitnehmer durch zunehmenden Fachkräftemangel immer mehr überfordert oder "abgehängt" werden. Ihr Wissen bliebe dann ungenutzt oder würde teilweise in andere Unternehmen abfließen, in denen man ihnen Karriere- oder zumindest Entwicklungsoptionen anbietet und ihre Erfahrung wertschätzt. Glücklicherweise ist jedoch bei einigen Unternehmen ein beginnender Paradigmenwechsel im Umgang mit der Altersfrage der Belegschaft zu erkennen. Während ältere Mitarbeiter lange als zu teuer, veränderungsresistent und schwer zu motivieren galten, schätzen heute immer mehr Unternehmen und Personal-verantwortliche das Potenzial und das Erfahrungswissen der Generation 50+ oder zumindest 45+. Natürlich ist im Einzelfall bei der Besetzung von Stellen immer wieder der Nutzen einer personellen Verjüngung gegen den Nutzen des Erfahrungswissens und des "Langzeitgedächtnisses" des Unternehmens abzuwägen. Dabei sind nicht nur die Arbeitsmarktlage und die gesetzliche Situation zu betrachten, sondern ebenso andere Faktoren wie beispielsweise die Kunden- bzw. Absatzstruktur. Warum sollen z.B. Marketingkonzepte für die Zielgruppe 50+ von viel jüngeren Marketingmitarbeitern entworfen werden? Auch lassen sich ältere Kunden lieber von gleichaltrigen, erfahrenen Beratern betreuen. Offensichtlich ist nicht das Alter der Potenzialträger entscheidend, sondern wie sich das bereits vorhandene Potenzial auch der Älteren voll entfalten bzw. wie es besser an das Unternehmen gebunden werden kann. Auch wenn Aussagen über die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern nur im Einzelfall getroffen werden können und in der Regel auch für jüngere Belegschaftssegmente sehr unterschiedlich ausfallen, so gibt es in der Praxis und in der Literatur doch einen Konsens darüber, dass ganz allgemein bei jüngeren Arbeitnehmern Stärken wie Schnelligkeit, Spontaneität, Kraft, Flexibilität, Offenheit gegenüber Veränderungen und neuen Entwicklungen, Risikobereitschaft sowie aktuelles Fach- und Methodenwissen vorherrschen. Bei älteren Arbeitnehmern werden dagegen vor allem eine größere Gelassenheit und Übersicht, Verantwortungsbewusstsein, gutes Urteilsvermögen, Erfahrungen und betriebsspezifisches Wissen, Kontakte, Zuverlässigkeit sowie routiniertere Kommunikation als Stärken wahrgenommen. 3. Personalwirtschaftliche HandlungsfelderWas ist zu tun? Um die Ressourcen aller Arbeitnehmer in der Zukunft optimal zu nutzen, sind zunächst die wichtigsten strategischen Personalfragen zu beantworten: Je nach personalstrategischer Ausrichtung rücken folgende Handlungsfelder in den Fokus:
4. Nachhaltige Personalarbeit durch integriertes GenerationenmanagementDurch solche Maßnahmen wird die Arbeit des Personalmanagements in Zukunft noch komplexer werden. Um diese Komplexität zu bewältigen und vor allem die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu sichern, sollte die Personalarbeit ihre Personalstrategie in Abstimmung mit der Unternehmensstrategie entwickeln. Im günstigsten Fall einer "integrierten Personalstrategie" werden die unterschiedlichen Funktionsbereiche des Human Resources Managements – d.h. die Fachleute für Recruiting, Personalplanung, Personalentwicklung und Grundsatzfragen – die zukünftigen Maßnahmen miteinander abstimmen. Dabei geht es um eine ganzheitliche Betrachtung aller Aspekte in einem zukunftsorientierten "Generationenmanagement". Die Frage, wie die Kompetenzen der verschiedenen Altersgruppen im Unternehmen zum Wohle der gesamten Organisation miteinander verknüpft werden können, ist chancenreich und herausfordernd. Nicht nur die großen, auch die kleineren und mittelständischen Unternehmen sollten sich nicht nur möglichst bald den Herausforderungen stellen, sie können die Leistungsbeiträge der Beschäftigten aller Altersstufen auch als Chance für eine sozial ausgewogene Kooperation in der Unternehmung nutzen. Damit können die Auswirkungen der demografischen Veränderungen bewältigt und obendrein wohl auch Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Die aktuelle StudieZum Generationenmanagement führen meine Kollegin Karin Pape (Metrion Consulting, Frankfurt) und ich derzeit eine Studie an der WU Wien durch. Wir haben dazu eine Online-Befragung zum Stand der aktuellen betrieblichen Aktivitäten und Planungen vorbereitet, die sich an österreichische und deutsche Personalverantwortliche bzw. Geschäftsführer richtet. (Details siehe unter http://www.wu.ac.at/persm/folder ) Falls Sie sich an dieser Befragung beteiligen möchten, finden Sie diese ca. 10-15 Minuten in Anspruch nehmende Befragung unter folgendem Link: http://www.wu.ac.at/survey/generationenmanagement Die Autorinnen: Dipl.-Ök. Dr. Margret Beisheim ist Lektorin an der WU Wien und der FH Wien im Bereich Human Resources Management, Unternehmensberaterin, Trainerin und Coach. Dipl.-Ök. Karin Pape ist Unternehmensberaterin in Deutschland mit langjähriger Erfahrung als Personalentwicklerin und Führungskraft im Vertrieb eines internationalen Konsumgüterkonzerns. |
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