Mangelnde Vorbereitung für österreichische Expatriates

Bei 54 Prozent der befragten Unternehmen werden Auslandsentsendungen innerhalb von drei Monaten geplant - ein Zeitraum, der kaum ausreicht, um die geeignete Person zu finden und sie umfassend darauf vorzubereiten.

 

Das ergab die Studie „Personalauswahl bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland“ des Instituts für Unternehmensführung der FHWien-Studiengänge der Wirtschaftskammer Wien. „Gerade die steigende Anzahl von international agierenden Unternehmen in Österreich und die Dichte der CEE-Konzernstandorte hier in Österreich rücken das Thema Auslandsentsendungen mehr und mehr in den Mittelpunkt des unternehmerischen Alltags“, berichtet Martina Berghuber, Leiterin der Studie. Von den 85 befragten Unternehmen haben 50 Prozent bereits entsendete MitarbeiterInnen an ausländischen Standorten. 35 Prozent geben an, in nächster Zukunft Niederlassungen im Ausland zu gründen.

Auslandsentsendungen von MitarbeiterInnen werden in allen Stadien der Internationalisierung von Unternehmen, also sowohl beim Aufbau als auch bei der Erhaltung der Standorte, vorgenommen. „Das Hauptmotiv für die Entsendung von MitarbeiterInnen ist der Transfer von technischem oder wirtschaftlichem Know-how vom Stammhaus in die Töchterunternehmen“, weiß Bianca Bittermann, Mitarbeiterin im Forschungsteam. Zwei weitere Motive zeigte die Studie im Wunsch nach mehr Nähe und einer intensiveren Bindung der Tochterunternehmen an das Stammhaus. Die Verbesserung des Kommunikationsflusses zum Stammhaus und die Durchsetzung einer einheitlichen Unternehmenskultur und –politik stehen ganz oben auf der Aufgabenliste der entsendeten MitarbeiterInnen im Ausland (Expats). Durch den Einsatz von vertrauten Gesichtern hoffen die GeschäftsführerInnen besser über die Vorgänge in den weiter entfernten Standorten informiert zu sein und über längere Distanzen den gewünschten Einfluss ausüben zu können. 62 Prozent der befragten Unternehmen setzen ihre MitarbeiterInnen vor allem in  Osteuropa ein, 22 Prozent in Westeuropa. 

 

Auslandsaufenthalt wird zum Adhoc-Transfer

 

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Dauer und Intensität der Planung dieser Auslandsentsendungen, kommen Zweifel auf, ob es unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich ist, die geplanten Ziele der Entsendung zu erreichen. 54 Prozent der Unternehmen planen Auslandseinsätze innerhalb von drei Monaten. Ein Zeitraum, der kaum ausreicht, um die geeignete Person zu finden und umfassend auf die neue Herausforderung vorzubereiten. Darüber hinaus verfügen weniger als ein Viertel der Unternehmen über ein genaues, schriftlich festgehaltenes Anforderungsprofil, welches der Suche nach dem geeigneten Expat als Grundlage dienen sollte. „Eine Zahl die bedenklich stimmt. Denn mit dem Auslandseinsatz sind große Hoffnungen von Seiten des Unternehmens und eine enorme Umstellung der Lebensgewohnheiten des Expats und seiner Familie verbunden. Gerade deshalb sollten Expats sorgfältig ausgewählt und umfassend auf die Zeit im Ausland vorbereitet werden. Leider wird die Familie in die Vorbereitung nur unzureichend oder gar nicht einbezogen, obwohl Studien zeigen, dass gerade die Familie das Zünglein an der Waage sein kann bei der Frage ob der Auslandseinsatz erfolgreich ist oder womöglich sogar frühzeitig abgebrochen wird“, gibt Berghuber zu bedenken.

 

Handlungsbedarf für Personal-ManagerInnen

 

Neben dem frühzeitigen Aufbau eines geeigneten Kandidatenpools für Entsendungen und der verstärkten Einbindung von Schlüsselpersonen in die Auswahl und die Vorbereitung betont Berghuber die Notwendigkeit der strategischen Planung: „Die Basis stellt die Erarbeitung eines Personalbedarfsplans dar, welcher schon frühzeitig die später fehlenden Personalressourcen sichtbar macht. Darauf aufbauend können genaue Anforderungskriterien definiert und schriftlich festgehalten halten werden. Diese Basis fehlt derzeit leider in vielen Unternehmen, was dazu führt, dass Personalentscheidungen in Bezug auf Auslandsentsendungen meist viel zu schnell getroffen werden müssen.“

 

Die vollständige Studie auf Anfrage bei:

Mag. Isabella Tömpe
Unternehmenskommunikation
FHWien-Studiengänge der WKW
E-Mail: isabella.toempe@fh-wien.ac.at
Tel: 0664 804767743

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