CEO Wechsel 2008

Die jährlich von Booz & Company durchgeführte Studie über Wechsel auf CEO-Level legt den Schluss nahe, dass Konzerne in Krisenzeiten eher am bisherigen Top-Management festhalten.

Angesichts abstürzender Aktienkurse, rapide gesunkener Gewinne und Millionen entlassener Mitarbeiter läge eigentlich die Vermutung nahe, dass sich auch die Zahl derjenigen CEOs, die ihren Job verloren haben, im Jahr 2008 deutlich erhöht hätte. Doch dem ist nicht so. Obwohl die Zahl der Wechsel im Top-Management weltweit betrachtet im Jahr 2008 gegenüber 2007 von 13,8% leicht auf 14,4 % erhöht hat, zeigt die Untersuchung, dass die Zahl der Wechsel in Nordamerika und Europa – jenen Regionen, in denen die Krise zuerst und am schwersten eingesetzt hat – entgegen dem langjährigen Trend leicht gesunken ist.

Gerade in der derzeitigen Wirtschaftskrise, der schlimmsten seit der großen Depression den 30-Jahren, halten die amerikanischen und europäischen Unternehmen also entgegen dem Trend der vergangenen Jahre verstärkt an ihren bisherigen Top-Managern fest. so sank die Wechselrate in Amerika um 0,5 Prozentpunkte, in Europa gar um 1,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2007, während gerade diese beiden Regionen in den Jahren zuvor weltweit die höchsten Wechselraten aufwiesen. Ebenfalls etwas überraschend: Die Gründe für diese Wechsel blieben überraschend stabil: Bei den festgestellten 361 Wechseln in den 2500 größten Unternehmen waren 180 geplante Wechsel (Pensionierung, Erkrankung, frühzeitig angekündigte Wechsel), 127 Wechsel waren erzwungen (das Board entließ den CEO wegen schwacher Ergebnisse, unethischem Verhalten oder "unüberbrückbarer" Differenzen). Zu 54 Wechseln kam es aufgrund von Merger & Acquisition. 2007 lauteten diese Werte bei insgesamt 346 Wechseln: 169 geplante Wechsel, 106 erzwungene und 72 M&A-bezogen. Zwar erhöhten sich die erzwungenen Wechsel weltweit gesehen leicht, doch in Nordamerika und Europa gingen sie zurück. Leicht erklärt ist der deutliche Rückgang bei den M&A-bezogenen Wechseln. Aufgrund der Finanzkrise gab es markant weniger Übernahmen und Fusionen und somit auch weniger Wechsel und Ablösen an der Spitze. Klar angestiegen ist im Zeitraum 2008 jedoch die Wechselhäufigkeit im Finanz- und Energiesektor und regional betrachtet in Asien.

Erfahrung wichtiger als "frischer Wind"

Die Hauptbotschaft, so interpretieren es die Autoren der Studie, ist denn auch: In unsicheren Zeiten halten Unternehmen verstärkt an den bisherigen CEOs fest, umso mehr, wenn diese bereits krisenerfahren sind. Kommt es doch zu einem Wechsel an der Spitze, dann greifen viele Unternehmen auf erfahrene Veteranen zurück, z.B. indem sie solche "Veteranen" wieder aus dem Board als CEO einsetzen. Ebenso plausibel ist aber auch die Vermutung der Autoren, dass diese Krise als eine Art Leadership-Test fungiert und die gute oder mangelnde Bewährung in diesem Sturm in absehbarer Zeit wieder zu einem deutlichen Anstieg der Wechsel-Zahlen führen dürfte.

Ebenfalls Gegenstand dieser Untersuchung war die Frage, welchen Hintergrund und welche Erfahrung die neu bestellten CEOs mitbringen. Dabei zeigte sich u.a.:

  • Das Alter der neu bestellten CEOs steigt wieder leicht an: Das Durchschnittsalter der neuen CEOs liegt aktuell fast zwei Jahre über dem Alter, in dem die ausgeschiedenen CEOs ihr Amt angetreten haben: 52.9 Jahres im Jahr 2008 versus 51.0 Jahre über das letzte Jahrzehnt betrachtet.
  • Ebenfalls angestiegen ist das Austrittsalter der CEOs, die das Unternehmen verlassen. Nordamerikanische und europäische CEOs schieden 2008 mit durchschnittlich 59.4 bzw. 57.2 Jahren aus, wobei die mit Abstand ältesten CEOs in Japan sind, wo das Durchschnittslater beim Austritt 63.0 Jahres beträgt.
  • Rund 20 Prozent der neu bestellten und ausscheidenden CEOs hat 2008 bereits vor Antritt dieser Position eine Funktion als CEO innegehabt, beinahe eine Verdoppelung des Durchschnittswertes der letzten 11 Jahre.
  • Die durchschnittliche Verweildauer nordamerikanischer CEOs war im 2008 mit 7,9 Jahren die höchste seit dem Jahr 2000.
  • Bei den ausscheidenden CEOs hat sich in den vergangenen Jahren eine dramatische Veränderung hinsichtlich der bislang in Amerika vorherrschenden Doppelfunktion von CEO und Chairman oft he Board vollzogen: Hatten im Jahr 2001 noch 50.5 Prozent aller CEOs beide Funktionen inne, so sank deren Anteil bis 2008 um mehr als die Hälfte auf 24,4 Prozent. Noch geringer ist dieser Wert bei den neu antretenden CEOs mit 18 Prozent.
  • Bei den neu antretenden CEOs ist die Zahl der Outsider, d.d. von CEOs, die von außen geholt werden, mit 24 Prozent leicht angestiegen, wenn man die Durchschnittszahl der letzten Jahre heranzieht, wo der Wert immer um die 20 Prozent betragen hat.
  • 15 Prozent der neuen CEOs kamen innerhalb der letzten drei Jahre ins Unternehmen und wurden in dieser Zeit sozusagen auf Ihre CEO-Tauglichkeit hin getestet, z.B. als COO oder CFO. Die meisten der neuen CEOs haben internationale Erfahrung, wobei jedoch der überwiegende Teil von ihnen in dem Land geboren wurde und aufgewachsen ist, in dem sich das Headquarter befindet.



Quelle: CEO Succession 2008: Stability in the Storm, by Per-Ola Karlsson and Gary L. Neilson auf www.booz.com

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